Journal
(2022)
Technik:
Digitale Fotografie und Collage
Fotografische Fragmente vom Bahnhof Köln bilden die Grundlage dieser digitalen Collage. Spuren des Alltags – Graffiti, Schmutz, Abrieb und zufällige Strukturen – werden zu bildnerischen Elementen und überlagern sich mit der typografischen Fläche einer alten französischen Zeitung aus dem Internet.
Die historische Textseite trifft auf urbane Oberflächen und zeitgenössische Farbspuren. Ein großes Antiqua-„g“ setzt dabei einen markanten Farbakzent und fängt den Blick des Betrachters ein.
Verwandlung I
2026
Technik:
Getrockneter Naturast, umwickelt mit Baumwollgarn (Weiß, Schwarz, Rot), auf blauem Karton montiert, im Passepartout gerahmt.
Ein gefundener Ast – gewachsen, nicht gestaltet – wird zum Träger einer bewussten Intervention.
Seine natürliche Verzweigung erinnert an eine organische Figur, fast an ein archaisches Zeichen oder ein reduziertes Totem. Die ursprüngliche Form bleibt sichtbar, doch sie wird durch textile Umwicklungen strukturiert und rhythmisiert: Weiß oben, Schwarz im Zentrum, Rot als konzentrierter Akzent im unteren Bereich.
Natur und Eingriff stehen nicht im Widerspruch, sondern im Dialog.
Der Ast, einst Teil eines lebendigen Organismus, trägt nun eine neue Ordnung – eine bewusste Setzung des Menschen.
Das Schwarz wirkt wie eine Verdichtung, eine innere Spannung.
Das Weiß als Öffnung, als Möglichkeit.
Das Rot als Puls – als konzentrierte Energie.
Vor dem tiefen, zurückhaltenden Blau entfaltet sich das Objekt beinahe zeichenhaft. Es scheint weniger ein Objekt zu sein als eine Geste: eine vertikale Achse, die zwischen Erdung und Aufrichtung vermittelt.
Das Werk verhandelt Fragen von Identität, Eingriff und Transformation.
Was bleibt Natur?
Was wird Gestaltung?
Und wo beginnt Bedeutung?
Das bedrängte A
2026
Technik:
Collage und Mischtechnik auf Papier:
Acrylfarbe, Graphit, Papiercollage und Tusche auf Karton.
Ein schwarzes „A“ steht aufrecht zwischen Flächen, Linien und Farbbewegungen.
Papier, Farbe und Struktur schieben sich in den Raum des Buchstabens, umgeben ihn, belagern ihn, drängen ihn ein. Das Zeichen bleibt sichtbar – aber nicht unberührt.
Das „A“, Anfangsbuchstabe vieler Wörter und ein Symbol für Beginn, befindet sich in einem Spannungsfeld aus Form, Farbe und Material. Zwischen kräftigem Orange, schweren dunklen Flächen und grafischen Linien wirkt es wie ein Zeichen, das sich behaupten muss.
Diagonale Spannung
2026
Technik:
Collage und Mischtechnik auf Papier:
Acrylfarbe, Graphit, Papiercollage, Schnur, Kreppband und Tusche auf Karton.
Eine diagonale Schnur durchzieht die Komposition und verbindet die oberen und unteren Bildräume. Große schwarze und goldene Flächen stehen im Kontrast zu offenen weißen Bereichen, während Linien, Strukturen und ein roter Kreis punktuell Akzente setzen. Die Elemente wirken wie Fragmente eines Systems, das sich zwischen Gewicht, Spannung und Balance neu ordnet.
Schattenklang
2026
Technik:
Videokunst, Licht- und Schattenanimation mit improvisierter Klangbegleitung auf der Shruti-Box.
Experimentelle Videokunst über das Zusammenspiel von Licht, Schatten und Bewegung. Die abstrakten Lichtformen werden live von einer Shruti-Box begleitet – einem indischen Borduninstrument, dessen kontinuierlicher Klang die visuelle Komposition trägt.
Glimmer
2026
Technik:
Videoaufnahme am Humboldthafen (Berlin Hauptbahnhof), Schwarz-Weiß mit Silbertönung.
Originalton der Umgebung (Zuggeräusche) kombiniert mit eigener Klangkomposition aus tiefem Chantgesang und drei hohen Gesangsspuren.
Die Videoarbeit zeigt die Wasseroberfläche des Humboldthafens am Berliner Hauptbahnhof. Lichtreflexionen brechen sich in der Bewegung des Wassers und verwandeln die urbane Umgebung in ein flimmerndes Spiel aus abstrakten Formen und rhythmischen Strukturen.
Im Hintergrund sind entfernte Zuggeräusche zu hören – ein akustischer Hinweis auf den Ort und seine permanente Bewegung. Die Schwarz-Weiß-Aufnahme mit silberner Tönung verstärkt den Eindruck von Tiefe und flüchtiger Oberfläche.
Die Bildsequenz wird von einer eigenen Klangkomposition begleitet: ein tiefer Chantgesang bildet den klanglichen Grund, darüber legen sich drei sehr hohe Gesangsspuren, die dem Bild eine schwebende, fast körperlose Atmosphäre verleihen. Bild und Klang verbinden sich zu einer ruhigen, kontemplativen Studie über Reflexion, Bewegung und urbane Resonanz.
Gesang der Stahlriesen
2024
Technik:
Videoaufnahme aus der Hand aus einem fahrenden Auto.
Digitale Videobearbeitung.
Originalaufnahme kombiniert mit eigener Klangkomposition auf dem Keyboard.
Aus der Bewegung heraus gefilmt entfaltet sich eine Landschaft, die von Strommasten durchzogen ist. Die filigranen Stahlkonstruktionen stehen in rhythmischen Abständen im Raum und strukturieren die Natur wie ein unsichtbares Raster.
Die Fahrt verdichtet diese Strukturen zu einem kontinuierlichen Fluss aus Linien, Wiederholungen und Perspektiven. Die Masten erscheinen nicht mehr nur als technische Objekte, sondern als eigenständige Formensprache – eine Art künstlicher Wald aus Stahl.
Die selbst eingespielte Elektroorgel verstärkt diesen Eindruck. Ihr Klang legt sich wie ein atmosphärischer Teppich über die Bilder und verleiht der Bewegung eine ruhige, beinahe monumentale Qualität. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen Natur und Infrastruktur, zwischen organischem Raum und technischer Ordnung.
fst frwrd
2020
Technik:
Videoaufnahme aus der Hand aus einem fahrenden Auto, digital gespiegelt an der horizontalen Bildachse.
Digitale Videobearbeitung, eigene Klangkomposition (Keyboard).
Aufgenommen aus der Bewegung heraus verdichten sich Straßen, Leitplanken und Landschaft zu schnellen, fließenden Bildstrukturen. Durch die horizontale Spiegelung entsteht eine symmetrische Bildachse, die die Wahrnehmung der Fahrt abstrahiert und die Autobahn in eine grafische, nahezu endlose Spur verwandelt.
Der schnelle, repetitive Rhythmus des selbst eingespielten Keyboards verstärkt die Dynamik der Bilder und übersetzt Bewegung in Klang.
Das Video reflektiert die Logik moderner Mobilität: Autobahnen als Systeme des Verbindens, des Vorwärtskommens, des permanenten Unterwegsseins. Gleichzeitig entsteht ein Spannungsfeld zwischen Beschleunigung und der verlorenen Beschaulichkeit des langsamen Reisens.
Der Titel fst frwrd (FF) verweist auf das Vorspulen – Bewegung ohne Pause, ohne Aufenthalt. Eine Assoziation zum Stück Autobahn von Kraftwerk liegt nahe: die monotone Bewegung der Straße als rhythmische, beinahe hypnotische Erfahrung.
City of light and luxe
2026
Technik:
Collage und Mischtechnik auf Papier:
Gesso, Metallfolie, Zeitungsausschnitte, Papierfragmente, Acrylfarbe, Tusche, Graphit und zeichnerische Elemente.
Fragmente einer Stadt verdichten sich zu einer vielschichtigen Komposition zwischen Oberfläche und Bedeutung. Zeitungsausschnitte, Strukturen und überlagerte Farbflächen bilden eine urbane Textur, in der sich Spuren von Architektur, Bewegung und medialer Bildwelt überlagern.
Ein vertikales Element aus Metallfolie durchzieht das Bild wie eine glatte, reflektierende Achse – ein Kontrast zu den rauen, gebrochenen Materialien der Umgebung. Feine Linien, ein angedeuteter Kreis und transparente Farbschichten strukturieren die Fläche und schaffen ein Gleichgewicht zwischen Ordnung und Fragment.
Der Schriftzug „City of light and luxe“ verweist auf die Projektionsfläche Stadt: zwischen Glanz und Oberfläche, zwischen Realität und Inszenierung.
Holzfragment I
2026
Objekt / Assemblage:
Gefundener Ast, White Gesso Primer (Gesso weiß), Polyacrylgarn, montiert auf Holzsockel.
Ein fragmentierter Ast wird zur aufrechten, nahezu figurativen Form. Die natürliche Struktur bleibt sichtbar, wird jedoch durch eine bewusste Intervention überformt: eine weiße Fassung, rhythmische Strichsetzungen und eine mittige Umwicklung bündeln die organische Gestalt zu einer klaren, reduzierten Achse.
Der Eingriff ist minimal, aber präzise. Natur wird nicht verändert, sondern markiert, gefasst und neu gelesen. Die lineare Oberfläche wirkt wie eine codierte Haut, während die textile Bindung eine Zone der Konzentration schafft – ein Moment der Fixierung im Fluss des Gewachsenen.
Das Objekt bewegt sich zwischen Fundstück und Zeichen, zwischen Zufall und Setzung.
Goldener Reiter I
2026
Technik:
Collage und Mischtechnik auf Papier:
Metallfolie, White Gesso, Zeitungspapier und Papierfragmente.
Überlagerte Papierfragmente, White Gesso und Metallfolie verdichten sich zu einer dynamischen Komposition. Goldene und silberne Flächen setzen reflektierende Akzente und lassen eine figurative Anmutung entstehen – eine Form, die an einen „Reiter“ erinnert, ohne eindeutig festgelegt zu sein. Zwischen Material, Struktur und Bewegung entsteht ein Spannungsfeld aus Andeutung und Auflösung.